Jihad für den Rassenstaat
»Weiß, normal, hetero.« Das Transparent, das junge Neonazis beim Protest gegen den CSD im sächsischen Bautzen im Sommer 2024 hochhielten, macht deutlich, was für eine Gesellschaft sie anstreben: eine ohne Migrant:innen, queere Menschen und andere Abweichler von ihrer völkischen Norm. In Dresden stehen nun acht junge Männer vor Gericht, denen vorgeworfen wird, dass sie eine solche Dystopie mit Waffengewalt verwirklichen wollten.
Ende Januar begann am Oberlandesgericht Dresden der Prozess gegen die »Sächsischen Separatisten«, die ihren Namen gerne als »SS« abkürzten. Den Angeklagten wird die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Der Generalbundesanwaltschaft zufolge handelt es sich um eine »militante Gruppierung, deren Ideologie von rassistischen, antisemitischen und in Teilen apokalyptischen Vorstellungen geprägt war«. Ihre Mitglieder hätten den baldigen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung am sogenannten Tag X erwartet.
»In Ihrer Haut möchte ich nicht stecken«, drohte ein Anwalt der angeklagten »Sächsischen Separatisten« den Staatsanwälten.
Ihr Plan sei es gewesen, nach diesem Tag X möglichst große Teile Sachsens mit Waffengewalt zu erobern und dort einen NS-Staat zu errichten. Vertreter:innen der bestehenden Ordnung sollten »liquidiert« werden, ebenso Juden, Migranten und Linke. Der Hauptangeklagte Jörg S., der zugleich als Anführer der terroristischen Vereinigung gilt, hatte in Chats von einem »weißen Dschihad« schwadroniert. Gemeint habe er damit einen »Überlebenskampf der Weißen«, so erläuterte er vor Gericht sein Verständnis des Begriffs. Im internen Chat der Gruppe wurde sich auch schon mal mit »Heil Hitler« begrüßt, ein Angeklagter forderte, Schwule von Häusern zu werfen und Jörg S. feierte dort den 7. Oktober 2023, den Überfall der Hamas auf Israel, mit den Worten »Hamas! Hamas! Alle Juden ins Gas!«
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