Alles muss man selber machen
Ljubljana, 1910. Nach dem schweren Erdbeben von 1895 erlebte die kleine Garnisonsstadt in Slowenien, Teil des Habsburgerreichs, damals ihre »Wiedergeburt«. Beim jahrzehntelangen Wiederaufbau entstanden auch die Jugendstilbrücken, die heute noch den Fluss Ljubljanica überspannen und der Stadt ihre unverwechselbare Prägung geben. Am 27. Januar 1910 hielten der Eisenbahnarbeiter Edvard Kardelj und seine Frau Ivana in Ljubljana ihren neugeborenen Sohn auf dem Arm. Das Kind bekam den Namen des Vaters.
Zur gleichen Zeit trat der kroatische Bauernsohn Josip Broz mit 17 Jahren der Sozialdemokratischen Partei Kroatiens und Slawoniens bei. Josip hatte seinen Geburtsort, das Dorf Kumrovec im Norden des heutigen Kroatiens, verlassen und befand sich auf Wanderschaft. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen, absolvierte nach der Schule eine Schlosserausbildung und arbeitete ab 1911 bei Benz in Mannheim, später bei Daimler in Wien und in München. Als Soldat der österreichisch-ungarischen Monarchie im Ersten Weltkrieg geriet er in russische Kriegsgefangenschaft und kam dort mit revolutionären Ideen in Berührung. Nach seiner Entlassung nahm er in Petrograd an sozialistischen Demonstrationen teil und trat dort der Roten Garde bei. Danach kehrte er nach Kroatien zurück, das sich inzwischen mit Serbien und Slowenien zum »Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen« zusammengeschlossen hatte, von Petar I. Karađorđević regiert und 1929 in »Königreich Jugoslawien« umbenannt.
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