Größenwahnsinnige Loser
Zum Glück ist Lisa Simpson nicht immer in Schulbücher vertieft oder mit dem Schwingen moralischer Reden beschäftigt. Manchmal lässt sie sich auch gehen und schaut mit ihrem Bruder Bart Fernsehen und lacht sich tot, wenn die »Tom & Jerry«-Persiflagen »Itchy & Scratchy« einander massakrieren. Oder sie blättert träumend in einer Zeitschrift, am liebsten in der mit dem Titel Non-Threatening Boys, die zum ersten Mal 1991 in der zweiten Staffel der »Simpsons« im Hintergrund zu sehen ist.
Die neunziger Jahre, sie waren zumindest in der Musik zu einem guten Teil das Jahrzehnt der keine Angst einjagenden Jungs – ein paar von ihnen gehörten zum Beispiel der Band Pavement an, die sich 1989 gründete und aus süßen, langhaarigen und entspannten Typen bestand, die wirklich keiner Fliege etwas zuleide tun können.
Bei Pavement gibt es keine Lead-Gitarre, keine Soli, nur ein dennoch sehr ernst genommenes Antivirtuosentum.
Nicht aus Springfield, sondern aus Stockton in Kalifornien stammen die Gründungsmitglieder Stephen Malkmus und Scott Kannberg, die ihre stark von der britischen Post-Punk-Band The Fall inspirierte Band aus der Not heraus ins Leben riefen. »Pavement war ursprünglich ein erbärmlicher Versuch von uns, etwas zu unternehmen, um der tödlichen Langeweile zu entkommen, der wir in Stockton ausgesetzt waren«, erzählte Sänger und Gitarrist Malkmus einmal.
Statt aber wie die Musiker des Grunge dem Zynismus zu frönen und der Aggression freien Lauf zu lassen, entschieden sich Pavement für die Ironie – und den Indie-Rock, den sie mit ihrer Mischung aus Rock, Punk, Noise, Folk und Country wie kaum eine andere Band prägten. Fünf Alben nahmen sie auf, bevor sie sich 1999 von der Bühne verabschiedeten, 2010 erschien mit »Quarantine the Past« ein Best-of, zu dem sich kürzlich ein zweites mit dem Titel »Hecklers Choice: Big Gums and Heavy Lifters« gesellt hat.
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