Der ideelle Gesamtdeutsche
Horst Mahler wurde fast 90 und verbrachte, RAF- und Nazi-Kram zusammengerechnet, ungefähr 20 Jahre in Haft. Fälschlicherweise heißt es, er sei 2020 »auf freien Fuß gesetzt« worden, was nicht stimmen kann, denn ihm waren beide Unterschenkel amputiert worden.
Als 1975 die Kiffer von der Bewegung 2. Juni mit der Lorenz-Entführung einige ihrer Genossen aus dem Knast freipressten, hatten sie, weil erfolgversprechender, bewusst keine RAF-Prominenz ausgewählt, mit einer Ausnahme: Horst Mahler. Der war aber bereits ein Jahr zuvor bei der RAF rausgeflogen, was man auch erst mal schaffen muss. Die Möglichkeit, vorzeitig in Freiheit zu gelangen, schlug er aus; er wolle lieber warten, bis der »Kampf der revolutionären Massen« die »Gefängnistore« öffnen würde.
Selten erwähnt wird, dass Mahler, dieser ideelle Gesamtdeutsche, unter anderem der SPD, SED, KPD-AO, den Grünen und der FDP nahestand, bevor er zur NPD fand. Horst Mahler war ein Hansdampf in allen Gassen.
Später galt er oft als »ehemaliger RAF-Anwalt«, war er aber nie – er war erst Anwalt, dann RAF, und dann wieder Anwalt. Jeder weiß, dass Mahler zum Nazi wurde, aber etwas untergegangen ist, dass er an der RAF-Gründung nicht nur beteiligt, sondern sogar ihr maßgeblicher Initiator war. Zwar schaffte er es nicht, Dutschke zu rekrutieren, aber seine Mandanten Baader und Ensslin waren Feuer und Flamme. Die Presse sprach anfangs noch von der »Baader-Mahler-Meinhof-Bande«.
Eher selten erwähnt wird auch, dass Mahler, dieser ideelle Gesamtdeutsche, unter anderem der SPD, SED, KPD-AO, den Grünen und der FDP nahestand, bevor er zur NPD fand. 1979 und 1980 tauschte er sich geradezu freundschaftlich mit dem damaligen Innenminister Gerhart Baum aus. Auch mit dem späteren Kanzler Gerhard Schröder verstand er sich zeitweise hervorragend. Horst Mahler war ein Hansdampf in allen Gassen.
Die Feinde blieben immer dieselben: Amerikaner und Zionisten
»Hotte«, wie ihn Wegbegleiter liebevoll schimpften, war nicht auf den Mund gefallen und wird für einige schmissige Aussprüche in Erinnerung bleiben (»Mit Richtern redet man nicht, auf Richter schießt man!«, 1973; »Heil Hitler, Herr Friedman!«, 2007). Auch als Hitlerist hatte er warme Worte für seine alten Freunde Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Christian Ströbele und Otto Schily übrig. Letztere wurden stets merkwürdig einsilbig, wenn man sie auf Mahler ansprach, doch manchmal wirkte es fast so, als schimmerten Reste alter Sympathie durch – persönliche Sympathie, keine politische.
Mahler selbst sah keinen Bruch in seiner Biographie und beteuerte, dass er immer für das deutsche Volk gekämpft habe und die Feinde dabei dieselben geblieben seien: Amerikaner und Zionisten. Wer würde ihm da widersprechen wollen?