Gegen den Klimaschutz könnte sich größerer Widerstand formieren

Ein Armband zur Anpassung

Was kümmert mich der Dax Von

An Signalfeuern mangelt es wahrlich nicht. Da man sich in Deutschland vornehmlich für die Brände in den griechischen und türkischen Urlaubs­orten interessiert, wird kaum zur Kenntnis genommen, dass auch in Brasilien die Waldbrandsaison begonnen hat. Als »Brazil forest fire sea­son« (ABC News) werden die Brände von vielen Medien eingestuft, ihr jährliches Auftreten gilt als selbstverständlich. Bereits im Juli war bekannt geworden, dass der Amazonas-Regenwald vor allem aufgrund der Brände mehr CO2 emittiert als absorbiert. Unterdessen schmelzen Gletscher in Grönland und Permafrostböden in Russland im Rekordtempo. Als offizielle Bestätigung des medial vermittelten Eindrucks kam am Montag der neueste ­Bericht des Intergovern­men­tal Panel on Climate Change: Bereits 2030, zehn Jahre früher als bislang prognostiziert, droht eine Erderwärmung um 1,5 Grad gegenüber der Zeit vor Beginn der Industrialisierung. Dennoch hat man nicht den Eindruck, dass nun alle Regierungen ihr Beratungen über Sofortmaßnahmen noch einmal beschleunigen, voll des schlechten Gewissens, weil sie ja im ­Pariser Abkommen 2015 versprochen haben, dass »Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5°C über dem vorindus­triellen Niveau zu begrenzen«.

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Bei den großen Industriestaaten sind Anstrengungen nur in den USA zu bemerken, wo Präsident Biden mit dem Kli­maschutz verbundene Infrastrukturprogramme durchzusetzen versucht. In Deutschland gilt es Union und FDP schon als übertrieben, dass die Grünen nun ein Klimaschutzministerium fordern, das ein Vetorecht gegen Gesetze haben soll, die nicht im Einklang mit dem Pariser Abkommen stehen. An sich sollte die Einhaltung dieser vertraglichen Verpflichtung ja selbstverständlich sein. Aber dem ist offenbar nicht so, und der Widerspruch zeigt, dass nun, da der Klimaschutz unbestreitbar sofortiges Handeln erfordert, auch der Widerstand härter wird.

Paradoxerweise könnten die Kata­strophenmeldungen diesen Widerstand sogar stärken. Wenn es ohnehin schon zu spät ist – warum sich abmühen? Ist es nicht besser, sich auf die Anpassung zu konzentrieren? Die meisten, die für verstärkte Bemühungen um Adaption an den Klimawandel plädieren, betonen die Notwendigkeit der Emissionsreduzierung. Im US-Magazin IEEE Spectrum, dem Organ eines weltweiten Verbandes von Elektroingenieuren und Informatikern, wurden aber auch schon Unternehmen gelobt, deren »Ziel es ist, sicherzustellen, dass Menschen und die Weltwirtschaft in so weiten Teilen der Welt wie möglich überleben können«. So entwickelte Embr Labs ein Armband, das die »gefühlte Temperatur« senkt und es Firmen unter anderem erlauben soll, »Kosten für Air Condition zu sparen«. Tatsächlich werden für die Aufrechterhaltung kapitalistischer Wertschöpfung nicht alle Menschen und nicht der gesamte Planet benötigt. Die notwen­dige industrielle Umstrukturierung ist teuer, so dass zu befürchten ist, dass eine Koalition interessierter Kapitalfraktionen, gestützt auf climate fatigue und den Unwillen zu Veränderungen in weiten Teilen der Bevölkerung, den Klimaschutz hintertreiben wird.