In München wurde der Opfer des Attentats auf das Oktoberfest vor 40 Jahren gedacht

Unaufgeklärt rechtsextrem

40 Jahre nach dem Attentat auf das Oktoberfest wurde in München der Opfer gedacht. Ein antifaschis­tisches Bündnis erinnerte auch an die verschleppten Ermittlungen und die mangelhafte Aufarbeitung des rechts­extremen Terroranschlags.
Raucherecke Von

»Natürlich freuen wir uns, dass der rechte Hintergrund der Tat endlich anerkennt wurde und die Betroffenen des Anschlags die Möglichkeit hatten, ihre Sichtweisen und Forderungen darzustellen. Dass es allerdings 40 Jahre gedauert hat, belastet das Gedenken noch immer.« So beschreibt Andreas Schnitzler das grundlegende Problem bezüglich des Gedenkens zum 40. Jahrestag des Bombenanschlags auf das Oktoberfest. Er gehört dem antifaschistischen Bündnis »Mehr als 40 Jahre« an, das für den vergangenen Samstag zur Demonstration durch den Münchner Stadtteil Westend und zur 2008 errichteten Gedenkstätte auf der Theresienwiese aufgerufen hatte.

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Am 26. September 1980 war um 22.19 Uhr in einem Mülleimer am Hauptausgang des Oktoberfests eine Bombe detoniert. Sieben Menschen starben sofort, fünf weitere kurz darauf an ihren Verletzungen. 213 Personen erlitten zum Teil schwerste Verletzungen. Einigen mussten Gliedmaßen amputiert werden.

Dass die Ermittlungsbehörden und auch die damals das Bundesland Bayern regierende CSU einen rechtsextremen Hintergrund der Tat leugneten, wird bereits seit den achtziger Jahren kritisiert. Die Rede von »Einzeltätern« ziehe sich wie ein roter Faden durch die mehr als 40jährige Geschichte rechtsextremen Terrors in der Bundesre­publik, betonten verschiedene Rednerinnen und Redner während der Demonstration. Da helfe es wenig, wenn zum 40. Jahrestag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) politisches Versagen einräumten. »Söder sagt zwar: Wir müssen Rechtsextremismus bekämpfen. Doch wo machen sie das überhaupt? Und noch wichtiger: Geht das überhaupt mit den bestehenden Institutionen?« fragte Schnitzler.

Das Jahr 1980 wurde in besonderem Ausmaß von rechtsextremem Terror überschattet. Am 22. August dieses Jahres verübten Mitglieder der neonazistischen »Deutschen Aktionsgruppen« einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in der Hamburger Halskestraße, die beiden jungen Vietnamesen Nguyen Ngoc Châu und Đo Anh Lân kamen in dem Haus um (Gedenken mit Sondernutzungserlaubnis). Am 19. Dezember 1980 ermordete Uwe Behrendt, ein Mitglied der »Wehrsportgruppe Hoffmann«, in Erlangen den Rabbiner Schlomo Lewin und dessen Lebensgefährtin Frida Poeschke.

Die Umstände des Münchner Attentats wurden bislang nicht vollständig aufgeklärt. Zwar hatten die Ermittler mit Gundolf Köhler schon früh einen potentiellen Verdächtigen – Köhler war selbst bei der Explosion ums Leben gekommen –, der zudem den Behörden seit Jahren als Neonazi bekannt und Mitglied der »Wehrsportgruppe Hoffmann« gewesen war. Die Ermittlungen wurden 2014 wiederaufgenommen, die Bundesanwaltschaft stellte das Verfahren Anfang Juli jedoch wieder ein. Immerhin erkannte die Behörde den rechtsextremen Hintergrund der Tat an und stellte heraus, dass Köhler nicht aus privaten Motiven gehandelt habe, wie es im Abschlussbericht von 1982 dargestellt worden war. Für das Bündnis »Mehr als 40 Jahre« ist das ein später, aber wichtiger Schritt. »Wir können den heutigen Rechtsterror nur bekämpfen, wenn wir ihn in seiner Genese verstehen«, sagte Schnitzler.