Islamistischer Terror in der Sahel-Zone

Ausweitung der Kampfzone

Christenverfolgung ist eine Sache der Vergangenheit? Keineswegs. Muslimische Extremisten stecken in Burkina Faso Kirchen in Brand und ermorden Gläubige. In immer mehr afrikanischen Staaten breitet sich der islamistische Terror aus.

Wieder traf es Christen. Am Sonntag starben bei einem jihadistischen Anschlag auf eine katholische Kirche in Toulfé im Norden Burkina Fasos vier Menschen. Die Stadt war zuvor schon öfter von bewaffneten Islamisten heimgesucht worden. Zuletzt zündeten Angreifer Ende April dort eine Kneipe an und stahlen drei Motorräder.

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Seit zehn Jahren intensivieren sich jihadistische Gewalttaten in Teilen der Sahel-Zone, die zu einem extrem gefährlichen Gebiet wurde. Immer mehr angrenzende Länder, die bislang als ruhig gegolten hatten, erfasst der Terror mittlerweile. In Mali konnten jihadistische Gruppen schon Anfang des Jahrzehnts Fuß fassen. Seit 2015 ist dies auch in Burkina Faso immer mehr der Fall. Zunächst galt dies für den äußersten Norden des Landes, seit Anfang dieses Jahres auch für den Nordosten und Osten.

Bei jihadistischen Angriffen in Burkina Faso wurden seit 2015 insgesamt rund 400 Menschen getötet, darunter immer wieder christliche Geistliche und Gläubige.

Auch in Benin, das bislang von jihadistischen Aktivitäten verschont worden war, gibt es mittlerweile Übergriffe. Am 1. Mai wurden in dem Land am Golf von Guinea, das nur im äußersten Norden in die Steppen und Savannen der Sahel-Zone übergeht, zwei franzö­sische Touristen entführt. Die Lehrer Patrick Picque und Laurent Lassimouillas waren gerade im Nationalpark von Pendjari unterwegs, ihr einheimischer Touristenführer Fiacre Gbédji wurde von den Entführern erschossen. Benin galt bislang als Hort der Stabilität in Westafrika, doch in der benachbarten Sahel-Zone sind zwei miteinander rivalisierende jihadistische Netzwerke aus lokalen Gruppen aktiv. Eines davon hat al-Qaida die Treue geschworen, das andere dem »Islamischen Staat« (IS).

Kurz nach ihrer Entführung befanden sich die beiden französischen Geiseln bereits in Burkina Faso. Dort wurden sie in der Nacht zum 10. Mai von einem Spezialkommando der französischen Armee befreit. Vier der Geiselnehmer wurden getötet, aber auch zwei französische Elitesoldaten, Cédric de Pierrepont und Alain Bertoncello. Beide zählten zur Spezialeinheit »Hubert« der französischen Marine, die als Antiterrorkommando in der Sahel-Zone operiert. Angeführt worden war die Befreiungsoperation von Soldaten der französischen Interventionstruppe in der Sahel-Zone, »Barkhane«, und der Task Force Sabre. Neben den beiden französischen Geiseln konnten auch zwei einen Monat zuvor in Burkina Faso entführte Frauen, eine US-Amerikanerin und eine Südkoreanerin, befreit werden. Die französischen Soldaten hatten nichts von der Anwesenheit der beiden Frauen gewusst. Die beiden gefallenen französischen Soldaten wurden mit einem feierlichen Staatsakt in Anwesenheit von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron am 14. Mai beigesetzt. Die französische Regierung gibt an, der Zugriff im Norden von Burkina Faso habe als letzte Gelegenheit gegolten, denn die Gruppen, die die beiden Franzosen festhielten, hätten sie an andere, stärker bewaffnete Organisationen im Nachbarland Mali weiterverkaufen wollen.

Welcher Gruppe die Entführer angehörten, ist nicht ganz klar. Der Tageszeitung Le Monde zufolge, die sich auf einen verantwortlichen französischen Beamten und eine Quelle im Sicherheitsapparat Burkina Fasos beruft, soll Katiba Macina involviert gewesen sein, auch bekannt als Front de libération du Macina (FLM), eine in Mali operierende Jihadistengruppe, die Ansar Dine nahestehen soll. Die Entführer selbst sollen der im Osten Burkina Fasos aktiven Gruppe »Islamischer Staat in der Großsahara« (Etat islamique au Grand Sahara, EIGS) nahestehen.

Zwei Tage nach der Geiselbefreiung griffen im Dorf Dablo im Norden von Burkina Faso Jihadisten eine christliche Kirche an. Viele der an jenem Sonntag gegen neun Uhr morgens dort versammelten Christen konnten fliehen, doch die Angreifer erschossen fünf Men­schen. Auch der Priester Siméon Yampa, der zu dem Zeitpunkt die Messe hielt, wurde getötet. Die Zahl der Angreifer wird von den lokalen Ordnungskräften auf 20 bis 30 geschätzt. Anschließend steckten die Angreifer die Kirche in Brand und zogen zum örtlichen Gesundheitszentrum weiter, das sie verwüsteten und vor dem sie das Auto der leitenden Pflegekraft anzündeten.

Seit 2015 wurden bei jihadistischen Angriffen in Burkina Faso insgesamt rund 400 Menschen getötet, ­darunter immer wieder christliche Geistliche und Gläubige. Am 15. Februar dieses Jahres wurde etwa der spanische Missionar Antonio César Fernandez in Nohao im Süden Burkina Fasos bei einer mutmaßlich jihadistisch motivierten Attacke auf eine Zollstelle getötet. Mitte März wurde der christliche Priester Joël Yougbaré in Djibo im Norden von Unbekannten entführt. Ende März wurde die protestantische Kirche in Silgadji während der Messe angegriffen, es gab sechs Tote. Mitunter greifen Jihadisten auch Imame lokaler muslimischer Gemeinden an, wenn diese ihnen zu weit von ihrer Ideologie entfernte Dinge predigen oder der Zusammenarbeit mit den ­Behörden bezichtigt werden.

Die Angriffe auf die Kirchen wurden von Regierung und Opposition Burkina Fasos einhellig verurteilt. Der parlamentarische Oppositionsführer Zé­phirin Diabré forderte die Bevölkerung zudem dazu auf, sich nicht in rivalisierende konfessionelle Gruppen spalten zu lassen, da dies das Ziel der Terroristen sei. Ähnlich äußerte sich Théophile Nare, der katholische Bischof von Kaya, anlässlich der Beerdigung der sechs Opfer von Silgadji.