Was kümmert mich der Dax - Die Bundesregierung gewährt der Deutschen Bank unbegrenzten Kredit

Teure Champions

Kolumne Von

Man hätte wohl die Chinesen fragen sollen, die kennen sich mit so etwas aus. Staatskapitalismus will schließlich gelernt sein. Dass die Bundesregierung nicht mehr gleichermaßen dem Profitinteresse aller deutschen Unternehmen dienen, sondern einigen von ihnen als »Champions« besondere Fürsorge angedeihen lassen will, hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in seiner »Nationalen Industriestrategie« dargelegt. Selbstverständlich verweigert sich die SPD diesem patriotischen Anliegen nicht, das auch in den Medien viel Anklang findet. Doch äußerten selbst einige wohlwollende Wirtschaftsjournalisten Zweifel, ob es eine gute Idee von Altmaier war, die Deutsche Bank explizit als einen Champion zu nennen, den man um jeden Preis vor der Pleite bewahren müsse. Das könnte nämlich ziemlich teuer werden.

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Kaum jemand außerhalb Deutschlands stuft die Deutsche Bank als seriöses Finanzinstitut ein. Für Strafzahlungen und Vergleiche, die Gerichtsverfahren vermieden, musste der Champion seit 2012 rund 15 Milliarden Dollar aufwenden. Derzeit droht weiteres Ungemach. Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt und sowohl das US-Repräsentantenhaus als auch Sonderermittler Robert Mueller untersuchen das Geschäftsgebaren der Deutschen Bank im Umgang mit einem prominenten Kunden und Bankrotteur: Donald Trump. »Immer wieder, mit der Unterstützung zweier verschiedener Vorstandsvorsitzender, gab die Bank Geld – insgesamt weit über zwei Milliarden Dollar – an einen Mann, den fast alle anderen Banken als unberührbar erachteten«, fasst die New York Times zusammen. Ist es schlichte Ignoranz oder die Risikofreude eines Champions, wenn Finanzminister Olaf ­Scholz (SPD) nun die Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank vorantreibt? Im Ernstfall würde die Deutsche Bank die vergleichsweise seriöse Commerzbank mit in den Abgrund reißen.
Man muss bedenken, dass Scholz und Altmaier nicht über alle Befugnisse der chinesischen KP verfügen, die nach Maos Motto »Bestrafe einen, erziehe hundert« Manager wegen Korruption hinrichten lassen könnte. Doch auch in der bürgerlichen Demokratie kann eine Regierung als Gegenleistung für ihr Geld etwas verlangen. Das aber gilt in Deutschland als unschicklich. Auch das Management der deutschen Autoindustrie, eines weiteren Champions mit Problemen wegen krimineller Machenschaften und einer realitätsfernen Geschäftspolitik, muss keinen ernsthaften Druck fürchten. Verlogen und betrügerisch sind auch andere, den deutschen Champions aber mangelt es an Professionalität: Sie lassen sich ständig erwischen. Warum sich Mühe geben, wenn der Staat für die Verluste aufkommt? »Geld ist eine Waffe, Politik ist zu wissen, wann man abdrückt«, lehrt Don Corleone. Er hätte eine kleine Gefälligkeit von der Deutschen Bank gefordert, da er wusste, dass ein Glücksspielsüchtiger, dem man versprochen hat, alle seine Schulden zu bezahlen, schnell wieder ins Kasino rennen wird.