Das Medium - Das Ende von »Lohengrin«

Ende einer Schokoära

Kolumne Von

Kulturgut hin, Kulturgut her, mit »Lohengrin« geht es zu Ende. Was einerseits sehr schade ist, denn die Schokoladenmarke gibt es nun schon seit 108 Jahren, auch wenn sie fast ausschließlich in Norwegen konsumiert wird. Beziehungsweise bald wurde, denn aufgrund der angeblich zu geringen Nachfrage wird der knochenförmige Miniriegel mit der roten Jugendstil-Bandage über dem silberfarbenen Papier nun nicht mehr produziert. Andererseits ist es nicht sehr schade, dass es die zu Ehren der ersten Aufführung der gleichnamigen Wagner-Oper im Osloer Nationaltheater »Lohengrin« getaufte Süßigkeit bald nicht mehr gibt. Was nicht an der Schokolade liegt, sondern am Inhalt, einer nur mit viel gutem Willen abscheulich zu nennenden alkoholfreien, weiß-matschigen Rumcreme.

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Norwegische Schokolade ist die beste der Welt, jedenfalls die der Marke Freia, die allerdings eben auch »Lohengrin« verbrochen hat. 1889 hatten Olaf Larson und Fredrik Wilhelm Hjorth Christensen die Schokoladenfabrik Freia gegründet. Benannt wurde das Unternehmen allerdings nicht nach der nordischen Göttin, die im Norwegischen nämlich Frøya heißt, sondern nach Christensens Jagdhündin, die ihren Namen vermutlich der 1828 vom Stapel gelaufenen Segelfregatte der Königlich Norwegischen Marine verdankt, die aufgrund ihrer Konstruktion mit dem Bug zuerst zu Wasser gelassen worden wurde, was damals ein sehr interessantes Ereignis war. Jedenfalls, bald ist Schluss mit »Lohengrin«, oder vielleicht auch jetzt schon, denn die meist älteren Fans kaufen gerade alle Riegelchen auf, die sie finden können. Auch wenn sie immer noch Hoffnung haben, dass es nur wieder ein Werbe-Stunt sein könnte, wie damals in den siebziger Jahren, als Freia schon einmal mitteilte, dass entweder ab sofort mehr »Lohengrin« gegessen werde oder Schluss sei.