Platte Buch - Das neue Album von Zooanzoo

Vertonte Gespenster

Kolumne Von

»What do you say to a ghost under warm running water?« hatte der Produzent Zooanzoo aus Harrisonburg, Virginia, 2017 auf seinem Debütalbum »Loud Mouth« gesungen. Bereits dieses Album war geprägt von Geistersongs, die sich allen musikalischen Zuordnungen entzogen, das soeben erschienene »Neck Out« steht dem in nichts nach. »TripHop, Electronica, Post-punk« bietet der Waschzettel an, aber so wirklich funktionieren will keine dieser Klassifi­kationen. Vielmehr scheint Zooanzoo diesmal tatsächlich den Sound eines Gespensts unter warmem Wasser vertont zu haben – wer singt, rappt, schreit und seufzt da eigentlich? Der Produzent selbst? Das gesampelte Musikarchiv?

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Gesang drängt sich aus dem Geräusch knisternder Schallplatten und gezupfter Gitarrensaiten in den Vordergrund, entzieht sich aber gleich wieder, verhallt irgendwo im Nichts. Immer wenn man das Gefühl hat, ­einen Song verstanden zu haben, oder Fragmente an andere Musik erinnern lassen, beispielsweise an die frühen Animal Collective, Future ­Islands oder Why?, endet er abrupt und ein völlig neues Konzept tut sich auf. Sogar ein Popsong findet sich auf der Platte: Aus noisigen Samples schält sich mit »Alcohol« ein kleiner Hit, der aber selbstverständlich nicht dem gerecht ­werden will, was einem Popsong üblicherweise abverlangt wird.

Sein wichtigster musikalischer Einfluss sei eine literarische Figur von Octavia Butler, die unter »Hyperempathie« leide, erklärt Zooanzoo. »Neck Out« versucht, diesen Zustand einzufangen, sich in ihn einzufühlen. Hauntology? Ein aus der Vergangenheit gespenstisch herüber­wehender Entwurf einer Zukunft der Musik? Was auch immer Zooanzoo angetrieben haben mag, »Neck Out« ist beseelt von dem Willen, es niemandem recht zu machen. »Shake your ass right now«, heißt es in ­»Never Give Up« selbstironisch – tanzen kann man kaum zu einer Musik, die sich selbst in Frage stellt. »Neck Out« ist eine Heimsuchung, deren Wirkung sicher noch eine Weile anhält.
Zooanzoo: Neck Out (Beau Travail)