Das Medium - Zum "Frauenmarsch" in Berlin kamen keine Rockergangs

Fake news don’t rock

Kolumne Von

Die Hells Angels würden kommen. Und die Bandidos. Und vielleicht sogar diese Russen. Unter denjenigen, die am Samstag zur Demonstration gegen den sogenannten Frauenmarsch in Berlin gehen wollten, sprach sich in den sozialen Netzwerken sehr schnell herum, dass Rockergangs diesen Marsch schützen würden. Belege dafür gab es kaum, aber bis zum frühen Nachmittag verbreiteten immer mehr linke Twitter-Accounts die Warnung, sich vor den schweren Jungs in Acht zu nehmen. Manche gingen noch einen Schritt weiter und ­listeten detailliert die Eckpunkte des Wikipedia-Eintrags zu Frank Hanebuth auf, langjähriger Chef des Hells-Angels-Charters Hannover und den Warnern zufolge definitiv teilnehmend. Blöd nur: Die ganze linke Aufregung und Paranoia war völlig umsonst, denn zu dem, was sich als hauptsächlich aus sächsischen Rentern bestehender, eher überschaubarer Protestzug entpuppte, kamen gar keine Rockergangs.

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Was man hätte ahnen können, hätte man sich die Mühe gemacht, die Quelle für diese Meldung zu suchen, anstatt nur das begeisterte Geschreibsel auf einem rechten Blog ernst zu nehmen. Diese Quelle war nämlich ein älterer Mann, der einen Aufruf auf Facebook geschrieben hatte, in dem er die »Bros« bat, zu kommen und die Frauen zu schützen, »damit das kein blutiges Schlachtfest an unseren Langhaarigen wird«. Große Begeisterung erntete der Aufruf eigentlich nur bei AfD-Fans, selbst auf Rockerseiten bei Facebook gab es erstaunlich viele Leute, die ihn für Quatsch und es für ausgeschlossen hielten, dass die Antifa eine Demonstration »Für Gewalt gegen Frauen« mache, wie im Text behauptet wurde. Dass »Erst Quelle suchen und dann Sachen verbreiten« auch für Linke gilt, könnte wirklich langsam gelernt worden sein.