Platte Buch - »Das Leben« von Georges Perec

C’est la vie

Man kann es dem Verlag Diaphanes gar nicht hoch genug anrechnen, dass er seit geraumer Zeit die Bücher des französischen Schriftstellers Georges Perec wieder auflegt. Perec starb bereits 1982. Er war Teil der ­literarischen Bewegung Oulipo, die von Raymond Queneau mitbegründet wurde und ihren Mitgliedern formale Zwänge für ihre Literatur auferlegte. So fehlt zum Beispiel in Perecs Roman »Anton Voyls Fortgang« der Buchstabe E. Sein Werk wurde in Deutschland in fast einem Dutzend verschiedenen Verlagen veröffentlicht. Seinem Buch »Die Dinge«, eine Geschichte über ein Pärchen, das sein Glück im Kaufrausch sucht, wurde in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit zuteil. Antiquarisch war es beinahe unbezahlbar, seit 2016 ist das Buch mit der immer aktuell bleibenden Geschichte wieder erhältlich.

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Um Dinge geht es auch in seinem Roman »Das Leben. Gebrauchsanweisung«. Der manische ­Autor Perec gibt hier detailreich, nein, geradezu detailversessen ein Pariser Wohnhaus wieder. Er durchstreift die Wohnungen dieses Hauses und lässt uns durch genaueste Beschreibung an ihren Eigenarten und herumstehenden Dingen teilhaben. Dieses Wohnhaus ist tatsächlich die ganze Welt, nicht nur ein Leben, sondern viele spielten oder spielen sich hier ab. Wie ein Klatschreporter erzählt Perec die Geschichten der einzelnen Hausparteien, wie sie mit­einander zusammenhängen, wer wen kennt, wer wen nicht leiden kann, wer sich liebt und schätzt. Zu Hilfe kommen ihm dabei fiktive Briefe, Tagebucheinträge, Zeichnungen und Schilder, die in den Text integriert sind. Zwangsläufig kommt er auf politische Ereignisse und gesellschaft­liche Veränderungen zu sprechen. Hier ist nichts singulär, alles hängt zusammen. Angeblich kennt jeder Mensch jeden anderen Menschen um sechs Ecken, was das bedeutet buchstabiert Perec anhand seiner sage und schreibe 1467 auftretenden Figuren aus.

 

Georges Perec: Das Leben. Gebrauchsanweisung. Diaphanes, Zürich 2017, 848 Seiten, 25 Euro