Der Fall Akif Pirinçcis.

Keifen und jammern

Er hielt eine hässliche Schmährede vor großem Publikum. Das jubelte ihm zunächst zu und beklatschte noch jede Grausamkeit, schließlich aber verließ es gelangweilt den Platz. Akif Pirinçci hat am 19. Oktober auf der Pegida-Demonstration in Dresden niemanden für sich gewonnen. Nein, er hat fast alle seine Verlage verloren (sogar die ganz rechten). Er hat mit seinem Gekeife seine Existenzgrundlage zerstört. Nun jammert er in der Jungen Freiheit, dass ihn keiner mehr lieb hat. Nicht mal Lutz Bachmann, der ihn doch eingeladen hatte. Interessant ist, wie schnell die, die Pirinçci als nützlichen Idioten gebucht hatten, ihn fallen ließen, als sein Gehetze zu übel wurde. Nicht, dass sie die meisten seiner »Ansichten« nun nicht mehr teilte – sie brauchen ihn einfach nicht mehr. Pirinçci hat für Aufmerksamkeit gesorgt, daher sorgte es auch für Aufmerksamkeit, dass sich jene, die genau wussten, wie er redet, von ihm distanzierten. Die Rechnung ging auf, nur für einen nicht, Pirinçci nämlich, der in seiner grenzenlosen Eitelkeit nie auf die Idee gekommen wäre, dass seine deutschen Blut-und-Boden-Freunde ihn nur benutzen könnten. Sie führten ihn am Nasenring in die Manege, hielten aber Distanz, nach dem ­Motto: »Wenn selbst so einer weiß, wie es um Deutschland steht. « Nun hat der in der Türkei geborene Autor, der für diese Klientel nie ein Deutscher sein kann, seine Schuldigkeit ­getan und darf gehen.
Seine ehemaligen Verleger von der Manuscriptum-Gruppe rund um deren Gründer Thomas Hoof nutzen die Situation, um sich besonders hervorzutun: »In theatralischer Scheinempörung stellen die Medien nun, wie gewohnt, ihre Gesslerhüte und Springstöckchen für öffentliche Gehorsams- und Dressurübungen auf. Die anderen Verlage Pirinçcis (Random House, Kopp), der Buchgroßhandel, die Ketten (Thalia, Weltbild etc.) und Amazon sind schon gehüpft. Wir täten das auch dann nicht, wenn wir die Zusammenarbeit mit Pirinçci nicht schon vor seinem Pegida-Auftritt beendet hätten. Bei uns bleiben Pirinçcis Bücher liefer- und direkt bestellbar«, heißt es auf der Homepage. Sich gleichzeitig distanzieren und kassieren, denn Aufmerksamkeit will genossen sein. Wer also glaubt, die Engagements Pirinçcis waren Unfälle, die die Rechten entlarven, irrt. Hier wurde jemand vielmehr ganz gezielt eingesetzt.

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